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Wer ist schneller‚ Impulsschrauber oder Elektroschrauber?
Die Fragestellung in der Überschrift scheint, zumindest, was die Montagegeschwindigkeit betrifft, ein Kampf zwischen Hase und Igel. Jeder, der Erfahrungen mit Schraubsystemen hat, kennt die beeindruckenden Geschwindigkeiten, mit denen Impulsschrauber Schrauben eindrehen im Gegensatz zu Elektrowerkzeugen.
Die Schraubgeschwindigkeit
ist für die Prozesszeit einer der wichtigsten Parameter. Dieser Einfluss hat
eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, weil er die Dauer des
Verschraubungsprozesses maßgeblich beeinflusst. Man muss sich vor Augen führen,
dass in der Schraubenmontage die Montagezeit letztlich höhere Kosten
verursacht, als die Befestigungselemente an sich. Eine Untersuchung der Firma
Archetype Joint in der amerikanischen Automobilindustrie hat gezeigt, dass die
Prozesskosten zur Montage der Schraube ca. 50 % der gesamten Kosten einer
Schraubverbindung ausmachen. Die Schraube an sich verursacht nur ca. 4 % der
gesamten Kosten.
Impulsschrauber scheinen in
diesem Fall eine gute Lösung zu sein, um die Prozesszeiten zu verkürzen. Über
die hohe Geschwindigkeit hinaus, mit der Schrauben eingedreht werden können,
bietet der Impulsschrauber ein geringes Gewicht und eine nahezu reaktionsfreie
Montage im Gegensatz zu einem gesteuerten Elektroschrauber.
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Selbstverständlich bietet
der gesteuerte Elektroschrauber eine höhere Präzision bei der Montage und
gleichermaßen den Vorteil der kontinuierlichen Dokumentation jedes
Schraubfalles. Für viele Schraubverbindungen jedoch, die nicht dokumentiert
werden müssen, bietet sich der Impulsschrauber als produktive Lösung an.
Betrachtet man den Vorgang
der Schraubenmontage jedoch näher, so wird man feststellen, dass die hohe
Drehzahl des Impulsschraubers nicht bei jeder Art von Verschraubung automatisch
einen Zeitvorteil bietet. Nimmt man eine Schraubverbindung einer M10 Schraube,
die auf 50 Nm montiert werden soll, so könnte man für die Montage einen
gesteuerten Elektroschrauber einsetzen, der die Schraube mit einer Drehzahl von
200 Umdrehungen pro Minute eindreht und anschließend mit einer Geschwindigkeit
von 20 U/min auf das Enddrehmoment montiert. Schaut man in das Datenblatt eines
Impulsschraubers, so findet man für ein Drehmoment von 50 Nm durchaus
Werkzeuge, die eine Leerlaufdrehzahl von 7000 U/min bieten. Ein durchaus
beeindruckender Unterschied in der Geschwindigkeit der beiden Schraubsysteme,
der offensichtlich ein hohes Maß an Produktivität bietet.
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Zur genaueren Betrachtung
der Geschwindigkeit eines Impulsschraubers muss das Verfahren jedoch
vollständig beleuchtet werden und der Anziehvorgang muss von seinem Verhalten
her in die genauere Betrachtung der Anziehgeschwindigkeit einbezogen werden.
Ein Impulsschrauber verfügt
über eine hydraulische Pulszelle, die bei Überschreiten eines bestimmten
Drehmomentes das Drehmoment in Form von pulsförmigen Stößen fortsetzt. Diese
Pulse sind von extrem kurzer Dauer, das heißt ein bis zwei Millisekunden lang
und ein Pulsschrauber dieser Größenordnung produziert ca. 20 dieser Impulse pro
Sekunde.
Das Verfahren des
Weiterdrehens der Schraube beruht darauf, dass die beschleunigte Masse der
Pulszelle einen kurzen Stoß auf die montierte Schraube gibt. Die Energie dieses
Stoßes reicht aus, um die Schraube von einem bestehenden Drehmoment auf ein
höheres Drehmoment weiter zu drehen. Bei diesem Vorgang wird die vorhandene
Energie der Pulszelle in ein Weiterdrehen der Schraube umgewandelt. Ist die
Schraube mit einem geringeren Drehmoment montiert, so ist der Anstieg des
jeweiligen Drehmomentes pro Puls höher und der Drehwinkel, den die Schraube
zurücklegt, ist weiter. Kommt das Drehmoment in die Größenordnung der maximalen
Kapazität des Schraubsystems, so dreht jeder Impuls die Schraube nur noch um
einen geringfügigen Winkel weiter und der Anstieg des Drehmomentes wird geringer.
Bei Impulsschraubern ohne Abschaltvorrichtung ergibt sich somit irgendwann ein
Verhalten, dass die jeweiligen Pulse die Schraube nicht mehr weiter drehen und
sich ein Enddrehmoment einstellt.
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Da der Drehwinkel, mit dem
die Schraube auf das Enddrehmoment montiert wird normalerweise relativ kurz ist
gegenüber dem Drehwinkel, der zum Eindrehen der Schraube benötigt wird, scheint
dieser Vorgang für die Gesamtprozesszeit nicht von Bedeutung zu sein. Bei
näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein Zeitverhalten, welches je nach
Drehwinkel von der Kopfauflage bis zum Enddrehmoment einen bedeutenden Einfluss
für die Prozesszeit hat.
Geht man zum Beispiel von
einer Schraubverbindung aus, die zehn Umdrehungen benötigt, um die Schraube zur
Kopfauflage zu bringen und anschließend einen Winkel von 45° um die Schraube
zum Enddrehmoment zu montieren, so ergeben sich folgende Relationen:
Der Impulsschrauber dreht
die Schraube in weniger als einer Zehntelsekunde bis zur Kopfauflage ein,
während der gesteuerte Elektroschrauber mit einer Drehgeschwindigkeit von 200
Umdrehungen pro Minute ca. drei Sekunden braucht, um die Schraube zur
Kopfauflage zu bringen.
![]() | Der Impulsschrauber ist dem zweistufigen Elektroschrauber beim harten Schraubfall klar überlegen. Dies liegt vor allem an der längeren Einschraubzeit, die der Elektroschrauber benötigt. |
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Zur Montage auf das
Enddrehmoment benötigt der Impulsschrauber ca. 1,3 Sekunden, der
Elektroschrauber schafft es jedoch in 0,4 Sekunden. Trotz der höheren
Geschwindigkeit des Elektroschraubers bei der Montage auf das Anziehdrehmoment
ergibt sich eine Gesamtmontagezeit von ca. 1,3 Sekunden beim Impulsschrauber
und 3,4 Sekunden beim Elektroschrauber. Die aufgewendete Zeit ist in diesem
Fall beim Elektroschrauber mehr als doppelt so hoch wie beim Impulsschrauber.
Zumindest bei diesem Beispiel scheint sich zu bewahrheiten, dass der
Impulsschrauber deutlich schneller ist.
Geht man jedoch von einer
Schraubverbindung aus, welche nur fünf Umdrehungen benötigt, um die Schraube
einzudrehen und es liegt ein Schraubfall vor, bei dem die Schraube von
Kopfauflage bis zum Enddrehmoment noch eine halbe Umdrehung, also 180° gedreht
werden muss, so ist der Elektroschrauber bereits deutlich im Vorteil. Beim
Eindrehen liegt der Impulsschrauber wieder deutlich vorne. Mit einer
Eindrehzeit, welche deutlich unter einer zehntel Sekunde liegt, bringt er die
Schraube zur Kopfauflage. Der Elektroschrauber benötigt dafür ca. 1,5 Sekunden.
Beim Anziehen jedoch benötigt der Impulsschrauber ca. fünf Sekunden, um das
Enddrehmoment zu erreichen. Der Elektroschrauber hingegen dreht die Schraube in
ca. 1,5 Sekunden bis zum Enddrehmoment. Es ergibt sich eine Gesamtmontagezeit
von ca. drei Sekunden für den Elektroschrauber und von fünf Sekunden für den
Impulsschrauber.
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Es zeigt sich
offensichtlich, dass man bei beiden Schraubsystemen nicht nur auf die
Leerlaufdrehzahl schauen darf, sondern dass sich ein Verhältnis ergibt, welches
durch die Anzahl der Gewindegänge beim Eindrehen und den Drehwinkel ab
Kopfauflage definiert wird. In dem von uns gewählten Fall beträgt das
Verhältnis von Eindrehgeschwindigkeit zu Anziehgeschwindigkeit beim
Impulsschrauber 7000 Umdrehungen pro Minute/6 Umdrehungen pro Minute. Der
Elektroschrauber hingegen bietet ein Verhältnis von 200 Umdrehungen pro
Minute/20 Umdrehungen pro Minute. Um die Ratio zu berechnen, bei welchem
Verhältnis von Eindrehwinkel und Anziehwinkel der Elektroschrauber überlegen
ist, muss man mathematisch die Differenz der Kehrwerte ins Verhältnis setzen
und für unseren Fall ergibt sich ein Verhältnis von 24. Das heißt, nur dann,
wenn der Eindrehwinkel mehr als 24 mal so hoch ist wie der Anziehwinkel, ist
der Impulsschrauber schneller als der Elektroschrauber. Dies bedeutet für unser
Beispiel, dass bei Anziehdrehwinkeln ab Kopfauflage bis zum Enddrehmoment über
180° der gesteuerte Elektroschrauber dem Impulsschrauber von der Prozesszeit
her überlegen ist. Darüber hinaus muss berücksichtigt werden, das
Impulsschrauber im Prozess ohnehin nicht länger als drei Sekunden pulsen
sollten. Für unser Rechenbeispiel bedeutet dies, dass ein Schraubfall mit einem
Anziehdrehwinkel größer als 90° für das Werkzeug zu weich ist und man auf eine andere
Schraubtechnologie ausweichen sollte.
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Die oben aufgeführten
Rechenbeispiele beziehen sich, wie vorab erwähnt, auf eine einzige
Schraubverbindung und im Falle des Elektroschraubers und des Impulsschraubers
jeweils auf einen einzigen Werkzeugtyp. Ein mathematisches Verfahren bietet
sich für die Auswahl des geeigneten Schraubsystems deshalb nicht an, weil eine
Menge von Informationen benötigt werden, die oftmals aus den Datenblättern der
Werkzeughersteller nicht hervorgehen. Insbesondere Verhältnisse wie der
Weiterdrehwinkel pro Puls beruhen auf komplexen physikalischen Zusammenhängen,
die besser im Feld experimentell ermittelt werden können, als auf Grundlage von
mathematischen Modellen berechnet.
Das portable Messsystem der
Firma SCHATZ AG bestehend aus rotierendem Drehmoment-/Drehwinkelsensor,
tragbarem Messgerät für Drehmoment und Drehwinkel sowie der Auswertesoftware testXpert® ermöglicht Analysen vor Ort,
um die Drehmomente und Drehwinkel an den verschiedenen Schrauboperationen zu
analysieren. Darüber hinaus verfügt die Software zur graphischen Analyse der
Messverläufe über ein Mathematik-Modul, so dass auch das
Geschwindigkeitsverhalten von verschiedenen Schraubwerkzeugen analysiert und
dargestellt werden kann.
Darüber hinaus bietet die
Firma SCHATZ AG als Serviceleistung eine Analyse in der Schraubenmontage vor
Ort an und unterstützt bei der Auswahl geeigneter Schraubsysteme.
Bei Abwägung aller Faktoren
und Einflüsse zeigt sich, dass eine vorschnelle Entscheidung für das eine oder
andere Schraubsystem in der Tat nicht immer geeignet ist, um Prozesszeiten zu
senken. Nur die sorgfältige Analyse der Schraubverbindungen sowie die
gesamtheitliche Betrachtung der Leistungsdaten der Werkzeuge ermöglicht eine
gezielte Verkürzung der Prozesszeiten und somit eine Senkung der
Produktionskosten.
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Quellen:
- Dr. N. Hamburger (2001), Serrage à grande vitesse: possible ou
impossible?, Fachartikel Assemblage März 2001
- Archetype Joint (2007), How much does a bolt cost?, www.archetype.com
- Dr. Volker Schatz (2007),
10 Schritte zur sicheren Schraubverbindung, Tectum Verlag, Marburg
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